Was wirklich in der Flasche steckt
Vollspektrum vs Isolat: Diese Frage steht am Anfang fast jeder Suche nach einem CBD-Öl, und meistens wird sie mit drei Zeilen und einem Verkaufsargument abgehakt. Die Kurzantwort: Vollspektrum enthält neben CBD weitere Cannabinoide, Terpene und THC-Spuren, Breitspektrum dasselbe ohne messbares THC, Isolat nahezu reines CBD. Hier geht es genauer zu: wie die drei Spektren technisch entstehen, welche Begleitstoffe dabei bleiben oder verschwinden, wie du das Spektrum ohne Werbebrille am Laborbericht erkennst und was die Prozentzahl und das Trägeröl über die Flasche verraten. Kein Hokus Pokus, sondern Verfahrenstechnik, Laborwerte und ein bisschen Rechnen.
Jedes CBD-Öl besteht aus genau drei Bausteinen:
- Hanfextrakt: Er liefert das CBD und, je nach Spektrum, weitere Cannabinoide, Terpene und Flavonoide. Gewonnen wird er aus Blättern und Blüten von Nutzhanf, nach § 1 Nr. 9 KCanG also aus zertifiziertem Saatgut von Sorten des EU-Sortenkatalogs oder mit höchstens 0,3 % THC in der Pflanze.
- Trägeröl: Es verdünnt den Extrakt auf die gewünschte Stärke und macht je nach Prozentzahl den größten Teil der Flasche aus. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR, Mitteilung 035/2024) nennt als Beispiele Sonnenblumen-, Hanfsamen- und Olivenöl, verbreitet ist außerdem MCT-Öl.
- Verpackung: Braunglas und dichter Verschluss gehören funktional dazu, weil Licht, Wärme und Sauerstoff Cannabinoide und Öl abbauen.
Falls du ganz am Anfang stehst und erst wissen willst, was CBD überhaupt ist und wie es sich von THC unterscheidet: Unser CBD-Crashkurs erklärt die Basics. Hier geht es um die Frage, was zwei Flaschen mit derselben Prozentzahl trotzdem unterscheidet.
Vom Rohextrakt zum Spektrum: so entstehen die drei Varianten
Alle drei Spektren beginnen mit demselben Schritt. Pflanzenmaterial wird extrahiert, meist mit überkritischem CO₂, seltener mit Ethanol. Das CO₂ wird unter Druck und Temperatur in einen Zustand zwischen Gas und Flüssigkeit gebracht, löst Cannabinoide und Terpene und verdampft danach rückstandsfrei. Eine Studie im Journal of CO2 Utilization (2025) nennt 60 °C und 300 bis 550 bar als günstige Bedingungen. Heraus kommt ein dunkler, zäher Rohextrakt, der noch Wachse, Pflanzenfette und Chlorophyll enthält.
Ab hier trennen sich die Wege. Jeder weitere Reinigungsschritt nimmt etwas heraus, und das bestimmt das Spektrum.
Vollspektrum: so wenig wie nötig entfernen. Der Rohextrakt wird winterisiert, also in Ethanol gelöst und auf etwa −20 °C gekühlt, damit Wachse und Fette ausfallen und abgefiltert werden können. Danach wird erhitzt (decarboxyliert), damit aus der Säureform CBDA das CBD entsteht. Typisch sind dafür etwa 100 bis 160 °C. Was übrig bleibt, ist ein Extrakt mit oft 30 bis 80 % Cannabinoiden, dazu Terpene, Flavonoide und THC in Spuren. Ein Teil der Terpene ist leicht flüchtig und geht bei Hitze verloren, deshalb ist „Vollspektrum“ nie eine 1:1-Kopie der Pflanze.
Breitspektrum: THC gezielt herausholen. Ausgangspunkt ist ein Vollspektrum-Extrakt oder ein Destillat. In der Branche wird das THC meist per Chromatografie abgetrennt: Der Extrakt wandert durch eine Säule mit Trägermaterial, die einzelnen Cannabinoide kommen unterschiedlich schnell hinten an und werden getrennt aufgefangen. Die THC-Fraktion wird verworfen, der Rest wieder zusammengeführt. Dabei gehen je nach Verfahren auch Terpene und andere Nebenstoffe verloren.
Isolat: alles außer CBD entfernen. Für ein Isolat wird CBD aus dem Extrakt auskristallisiert, meist nach weiteren Reinigungsschritten. Eine Arbeit in ACS Agricultural Science & Technology (Calmanti et al., 2025) beschreibt den kompletten Weg in Schritten von 100 bis 600 g: Decarboxylierung, CO₂-Extraktion, Winterisierung, Filtration, Chromatografie und selektive Kristallisation. Ergebnis: CBD-Kristalle mit über 99 % Reinheit und vernachlässigbarem THC-Gehalt, bei einer Gesamtausbeute von 52 %. In diesem Verfahren ging also fast die Hälfte des CBD verloren, Reinheit hat ihren Preis. Das fertige Isolat ist ein weißes, kristallines Pulver, das erst im Trägeröl zum CBD-Öl wird.
Für die Praxis interessant: Die Autoren schreiben, dass es in der Fachliteratur bisher kaum robuste, skalierbare Protokolle für reines CBD gab. Die Industrie stellt Isolat zwar längst her, ihre genauen Verfahren veröffentlicht sie aber selten. Wie sauber ein Isolat ist, zeigt deshalb nicht das Verfahren auf dem Etikett, sondern der Laborbericht.
Vollspektrum vs Isolat im Detail, mit Breitspektrum als Mittelweg
Die Kurzfassung der Begriffe kennst du vielleicht schon von unserer Seite zu den CBD-Ölen. Hier der ausführliche Vergleich, mit allem, was sich aus Herstellung und Laboranalytik ergibt.
| Vollspektrum | Breitspektrum | Isolat | |
|---|---|---|---|
| Herstellung | Extraktion, Winterisierung, Decarboxylierung | wie Vollspektrum, dazu THC-Abtrennung (meist Chromatografie) | weitere Reinigung und Kristallisation |
| Neben-Cannabinoide | ja, z. B. CBG, CBC, CBN, oft etwas CBDA | ja, Menge je nach Verfahren | keine oder nur Spuren |
| Terpene | ja, ein Teil geht bei Hitze verloren | teilweise | keine |
| THC laut Bericht | messbare Spuren | meist „ND“ oder „< LOQ“ | in der Regel „ND“ |
| Farbe im Öl | gelb bis grünlich-braun, je nach Extraktmenge | meist heller | so hell wie das Trägeröl |
| Aroma | hanfig, grasig, kräftig | milder | vom Trägeröl bestimmt |
| Drogentest-Thema | relevant | gering, Bericht prüfen | kaum |
| Haltbarkeit nach Öffnen | Begleitstoffe können oxidieren | dazwischen | tendenziell länger |
Zwei Zeilen verdienen eine Erklärung. Die Farbe hängt nicht nur am Spektrum, sondern stark an der Extraktmenge und am Trägeröl: Ein Vollspektrum-Öl mit 5 % ist deutlich heller als eins mit 20 %. Und „tendenziell länger haltbar“ beim Isolat liegt daran, dass weniger Begleitstoffe drin sind, die mit Sauerstoff reagieren. Das Trägeröl altert trotzdem, egal welches Spektrum darin gelöst ist.
Die Begleitstoffe: was außer CBD im Extrakt steckt
Beim Thema Vollspektrum vs Isolat geht es im Kern um diese Begleitstoffe. Sie machen den Unterschied in Aroma, Farbe und Laborbericht. Ein kurzer Steckbrief, rein beschreibend:
Weitere Cannabinoide. Die Hanfpflanze bildet über 100 davon. In Vollspektrum-Extrakten tauchen neben CBD vor allem CBG, CBC und CBN auf, meist im Bereich von Zehntelprozent. CBG gilt als „Mutter-Cannabinoid“, weil die Pflanze aus seiner Säureform CBGA die anderen Cannabinoid-Säuren aufbaut. CBN entsteht, wenn THC altert und oxidiert. Wer sich für diese Stoffe einzeln interessiert, findet bei uns eigene Öle: das CBN-Öl für die Abendroutine und das CBG-Öl, für das sich viele Sportler interessieren.
Säureformen. In der lebenden Pflanze liegt CBD fast nur als CBDA vor. Erst Hitze spaltet CO₂ ab. „Rohe“ Öle ohne vollständige Decarboxylierung enthalten deshalb mehr CBDA. Im Laborbericht rechnest du beides zusammen: Gesamt-CBD = CBD + CBDA × 0,877. Der Faktor gleicht aus, dass das Molekül beim Abspalten des CO₂ leichter wird.
Terpene. Das sind die Duftstoffe der Pflanze, dieselbe Stoffgruppe, die auch Zitrusschalen, Hopfen oder Pfeffer ihren Geruch gibt. Im Hanf häufig sind zum Beispiel Myrcen, Limonen und Beta-Caryophyllen. Terpene sind flüchtig, deshalb sagt „reich an Terpenen“ auf dem Etikett nur dann etwas, wenn der Laborbericht ein Terpenprofil enthält. Viele Berichte prüfen nur Cannabinoide.
Flavonoide und Chlorophyll. Flavonoide sind Pflanzenfarbstoffe, Chlorophyll ist das Blattgrün. Beide tragen zur Farbe bei. Chlorophyll sorgt für die grünliche Note und für das leicht bittere, grasige Aroma, das viele mit Vollspektrum verbinden. Ethanol-Extraktion zieht mehr Chlorophyll mit als CO₂.
💡 Riecht dein Vollspektrum-Öl deutlich nach Hanf, ist alles in Ordnung: Genau dafür steht „Vollspektrum“. Ein Isolat-Öl in MCT riecht dagegen fast nach nichts.

Breitspektrum: der Mittelweg mit Fragezeichen
Breitspektrum klingt nach dem Besten aus beiden Welten: Begleitstoffe ja, THC nein. In der Praxis kommt es darauf an, wie genau gemessen wurde.
Ein Labor kann THC nur bis zu seiner Bestimmungsgrenze (LOQ) beziffern, zum Beispiel 0,01 %, also 100 mg je Kilogramm. Steht im Bericht „< LOQ“, war THC vielleicht da, aber nicht genau messbar. Steht „ND“, wurde es nicht nachgewiesen, ebenfalls nur bis zur Nachweisgrenze des Labors. Zwei Labore mit verschiedenen Geräten können für dieselbe Probe also unterschiedlich „THC-frei“ melden. Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Karlsruhe wertet „THC-frei“ laut Verbraucherzentrale sogar als erhebliche Irreführung, weil Hanfprodukte immer THC enthalten.
Dazu kommt: „Vollspektrum“ und „Breitspektrum“ sind keine rechtlich geschützten Begriffe. Es gibt weder in der EU noch in Deutschland eine verbindliche Definition. Das BfR fand 2024 in 20 von 26 untersuchten Cannabinoid-Ölen Δ9-THC.
Für dich heißt das: Breitspektrum ist eine sinnvolle Kategorie, aber kein Versprechen. Schau dir beim Gesamt-THC den Wert und die angegebene Bestimmungsgrenze an, und prüfe, ob neben CBD überhaupt weitere Cannabinoide messbar sind. Sonst hast du ein Isolat mit anderem Etikett.
Spektrum am Laborbericht erkennen
Das Etikett sagt, was der Hersteller meint. Der Laborbericht zeigt, was drin ist. Mit dieser Tabelle ordnest du jedes Analysezertifikat in einer Minute einem Spektrum zu. Wie du den Bericht Zeile für Zeile liest (Charge, Labor, Gesamtwerte), steht ausführlich auf unserer Seite zu den CBD-Ölen; hier geht es nur um das Spektrum.
| Was du im Bericht siehst | Wahrscheinliches Spektrum |
|---|---|
| CBD plus mehrere Neben-Cannabinoide über der Bestimmungsgrenze, Δ9-THC oder THCA mit Zahlenwert | Vollspektrum |
| CBD plus Neben-Cannabinoide, THC „ND“ oder „< LOQ“ | Breitspektrum |
| Nur CBD mit Wert, alle anderen Cannabinoide „ND“ | Isolat |
| Hoher CBDA-Anteil neben CBD | „rohes“ Vollspektrum, kaum decarboxyliert |
| Terpenprofil mit Einzelwerten | Begleitstoffe wirklich gemessen |
| Nur Gesamt-CBD, sonst nichts | Spektrum nicht belegbar, beim Hersteller nachfragen |
Drei Fallstricke, die wir in Berichten immer wieder sehen: Erstens wurde manchmal der Extrakt geprüft, nicht das fertige Öl. Dann stimmen die Prozentwerte nicht mit deiner Flasche überein. Zweitens fehlt die Chargennummer. Dann weißt du nicht, ob der Bericht überhaupt zu deinem Öl gehört. Drittens werden Bestimmungsgrenzen nicht angegeben. Ohne sie kannst du „ND“ nicht einordnen.
Auch die Etiketten sind nicht immer genau: In einer Studie in JAMA (2017) lagen von 84 online gekauften CBD-Produkten nur rund 31 % innerhalb von ±10 % der angegebenen Menge, in 18 Proben fand sich THC. Öle schnitten dabei noch am besten ab.
THC-Spuren in Zahlen: was der Unterschied praktisch bedeutet
Bei Vollspektrum vs Isolat ist das THC der handfesteste Unterschied. Wie viel ist das eigentlich? Das BfR hat 2024 in den untersuchten Ölen zwischen 5 und 1.576 mg Δ9-THC je Kilogramm Öl gemessen. Rechnen wir das auf eine 10-ml-Flasche um, die bei einer Dichte von etwa 0,92 g je ml rund 9,2 g wiegt:
| THC im Öl | entspricht | THC je 10-ml-Flasche |
|---|---|---|
| 5 mg/kg | 0,0005 % | ca. 0,05 mg |
| 200 mg/kg | 0,02 % | ca. 1,8 mg |
| 1.576 mg/kg | ca. 0,16 % | ca. 14,5 mg |
Zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Messwert liegt also mehr als der Faktor 300. Das zeigt, warum „Vollspektrum“ allein nichts über die THC-Menge aussagt. Erst der Laborbericht der Charge liefert die Zahl.
Relevant wird das an zwei Stellen. Beim Drogentest, weil Standardtests nach THC-Abbauprodukten suchen und nicht nach CBD; eine Studie in JAMA Psychiatry (Dahlgren et al., 2021, online 2020) fand nach vierwöchiger regelmäßiger Verwendung eines Vollspektrum-Produkts mit 0,02 % THC bei 7 von 14 Teilnehmenden einen positiven Urintest auf das Abbauprodukt THC-COOH (Grenze 50 ng/ml). Und im Straßenverkehr, wo § 24a StVG ab 3,5 ng/ml THC im Blutserum greift und für Fahranfänger in der Probezeit sowie unter 21 Jahren ein absolutes Cannabisverbot gilt (§ 24c StVG). CBD selbst ist davon nicht erfasst. Keine Rechtsberatung, aber wer beruflich getestet wird, sollte diesen Unterschied kennen.
Vergleich zur Einordnung: Selbst für Hanfsamenöl als Lebensmittel erlaubt die EU einen THC-Höchstgehalt von 7,5 mg/kg (VO (EU) 2023/915). Spuren von THC sind im Hanf also überall ein Thema, nicht nur im Extrakt.
Stärke: was die Prozentzahl über das Öl verrät und was nicht
Die Prozentzahl auf der Flasche beschreibt, wie viel CBD im fertigen Öl steckt. Sie sagt nichts darüber, wie gut der Extrakt ist, und auch nichts über das Spektrum. Was sie aber verrät, wenn man ein bisschen weiterrechnet: wie viel Extrakt und wie viel Trägeröl in der Flasche sind.
Ein Beispiel mit einem 10-%-Öl in 10 ml, also rund 1.000 mg CBD:
- Vollspektrum-Extrakt mit 60 % CBD: Für 1.000 mg CBD braucht es rund 1,7 g Extrakt. Der Rest der rund 9,2 g, also etwa 7,5 g, ist Trägeröl.
- Isolat mit über 99 % CBD: Hier reicht rund 1 g Kristallpulver, die übrigen gut 8 g sind Trägeröl.
Daraus folgt etwas, das kaum ein Shop erklärt: Bei Vollspektrum steigt mit der Prozentzahl auch die Menge an Begleitstoffen, Wachsresten und Farbe. Ein 20-%-Vollspektrum-Öl enthält rund doppelt so viel Extrakt wie ein 10-%-Öl. Deshalb wirken starke Vollspektrum-Öle dunkler, dickflüssiger und aromatischer, während ein Isolat-Öl mit 20 % fast so hell bleibt wie das Trägeröl allein. Mit Qualität hat beides nichts zu tun.
Zwei Fallen beim Vergleichen:
- w/w oder w/v: Prozent kann sich auf das Gewicht oder auf das Volumen beziehen. Weil Öl leichter ist als Wasser, enthalten 10 ml mit 10 % gewichtsbezogen nur etwa 920 mg statt 1.000 mg. Die mg-Angabe auf der Flasche ist deshalb die verlässlichere Zahl.
- Tropfen statt Flasche: Die Tropfengröße schwankt je nach Pipette und Öl, 10 ml ergeben je nach Hersteller etwa 200 bis 285 Tropfen. Wer mg je Tropfen vergleicht, vergleicht Pipetten.
Alle Rechenwege, inklusive Preis je mg, zeigen wir Schritt für Schritt im Ratgeber Prozent, mg und Tropfen umrechnen. Unsere eigenen Öle gibt es übrigens mit 5 %, 10 % und 20 %, das entspricht 500, 1.000 und 2.000 mg CBD je 10-ml-Flasche.

Trägeröl: der unterschätzte Hauptbestandteil
Bei einem 10-%-Öl besteht die Flasche zu rund acht bis neun Zehnteln aus Trägeröl, je nachdem, wie konzentriert der Extrakt ist. Trotzdem wird es in den meisten Vergleichen nur nebenbei erwähnt. Dabei entscheidet es über Aroma, Farbe, Kälteverhalten und darüber, wie lange das Öl nach dem Öffnen frisch bleibt.
Interessant wird es in der Kombination mit dem Spektrum:
| Kombination | Was du bemerkst |
|---|---|
| Vollspektrum in Hanfsamenöl | volles, nussig-grünes Hanfaroma, grünliche Farbe, oxidiert schneller |
| Vollspektrum in MCT-Öl | Extrakt-Aroma bleibt, Trägeröl selbst neutral, sehr stabil |
| Isolat in MCT-Öl | nahezu neutral und klar |
| Isolat in Olivenöl | Aroma vom Olivenöl, solide Haltbarkeit |
Hanfsamenöl besteht zu über 80 % aus mehrfach ungesättigten Fettsäuren, typisch rund 55 % Linolsäure und gut 20 % Alpha-Linolensäure (Callaway, Euphytica 2004). Diese mehrfach ungesättigten Fettsäuren oxidieren leichter, deshalb ist Lagerung hier wichtiger. MCT-Öl aus mittelkettigen Triglyceriden ist dagegen sehr stabil und bleibt auch kühl flüssig. Ob ein Trägeröl die Stabilität des CBD selbst beeinflusst, ist weniger dramatisch, als Werbung oft suggeriert: Eine Studie mit Öl-Zubereitungen aus Medizinalcannabis (Ramella et al., Molecules 2020) fand beim Cannabinoidgehalt keinen Unterschied zwischen MCT- und Olivenöl und in beiden eine gute Stabilität über die ersten 60 Tage.
Unsere Öle setzen auf Bio-Hanfsamenöl, weil es zum Vollspektrum-Extrakt passt: Hanf in Hanf, sozusagen. Den ausführlichen Vergleich mit Fettsäuren, Kälteverhalten und Haltbarkeit gibt es im Beitrag Trägeröle im Check.
Vollspektrum vs Isolat: welches Spektrum passt zu dir?
Ein pauschal „richtiges“ Spektrum gibt es nicht. Es gibt das, das zu deinen Kriterien passt. Fünf Fragen helfen bei der Entscheidung:
- Wie wichtig ist dir das Hanfaroma? Wer den Duft der Pflanze mag, landet bei Vollspektrum. Wer ein neutrales Öl will, etwa zum Mischen in eigene Kosmetik, greift zum Isolat.
- Spielen THC-Spuren für dich eine Rolle? Wenn du THC grundsätzlich vermeiden willst, etwa wegen Drogentests im Beruf, ist ein Isolat- oder ein gut dokumentiertes Breitspektrum-Öl die konsequentere Wahl.
- Willst du möglichst viel von der Pflanze? Dann Vollspektrum, mit dem Wissen, dass der Entourage-Effekt (siehe nächster Abschnitt) nicht belegt ist. Es ist eine Frage der Vorliebe, nicht der Wissenschaft.
- Wie transparent ist der Laborbericht? Ein Vollspektrum-Öl mit vollständigem Bericht ist nachvollziehbarer als ein Breitspektrum-Öl mit „THC-frei“ ohne Zahl.
- Was kostet ein Milligramm CBD? Erst der Preis je mg macht Öle vergleichbar, unabhängig vom Spektrum.
Bei uns gibt es derzeit nur Vollspektrum-Öle mit Bio-Hanfsamenöl als Träger, laut Hersteller regelmäßig von unabhängigen Laboren getestet. Wer Isolat sucht, wird bei uns gerade nicht fündig, das sagen wir lieber gleich. Die Auswahl mit allen Stärken findest du bei unseren CBD-Ölen.
Und falls du überlegst, ob es überhaupt ein Öl sein muss: CBD gibt es auch als Blüten, Vape oder in Kosmetik. Die Unterschiede der Produktformen erklärt unser Überblick CBD-Produktformen.
Entourage-Effekt: woher der Begriff kommt und was belegt ist
Kaum ein Vollspektrum-Öl wird ohne ihn beworben: den Entourage-Effekt, das angebliche Zusammenspiel aller Pflanzenstoffe. Die Geschichte des Begriffs ist überraschender, als die Werbung vermuten lässt.
Geprägt wurde er 1998 in einer Arbeit von Ben-Shabat, Mechoulam und Kollegen im European Journal of Pharmacology. Es ging dort gar nicht um Hanf, sondern um körpereigene Fettsäure-Verbindungen, untersucht an Gewebeproben und Mäusen: Stoffe, die allein nicht an Cannabinoid-Rezeptoren binden, verstärkten die Aktivität des körpereigenen Cannabinoids 2-AG. Die Autoren nannten das „entourage effect“, also Gefolge-Effekt. Erst später wurde die Idee auf Pflanzenstoffe übertragen, also auf Cannabinoide und Terpene im Hanfextrakt.
Was sagt die Forschung heute dazu? Eine systematische Übersicht in Pharmaceuticals (2024) bewertet die Verstärkung durch Terpene als unbewiesen. Eine kritische Übersicht in Cannabis and Cannabinoid Research (Simei et al., 2024) findet nur begrenzte Belege und warnt davor, den Effekt vorschnell als bewiesen darzustellen. Das heißt nicht, dass es ihn sicher nicht gibt. Es heißt, dass die Datenlage für ein Werbeversprechen nicht reicht.
Unser Fazit für die Kaufentscheidung: Wähle Vollspektrum, wenn du Hanfaroma und Begleitstoffe magst, nicht weil ein Effekt versprochen wird. Wer dir den Entourage-Effekt als Tatsache verkauft, verkauft eine Hypothese.
Mythen und Fakten zu den Spektren
Rund um Vollspektrum vs Isolat halten sich ein paar Behauptungen besonders hartnäckig. Sechs davon im Faktencheck:
| Mythos | Fakt |
|---|---|
| Vollspektrum ist automatisch stärker | Die Stärke steht in mg CBD auf der Flasche, das Spektrum beschreibt nur die Begleitstoffe. |
| Isolat ist künstlich | Isolat wird meist aus Hanfextrakt auskristallisiert; synthetisch hergestelltes CBD gibt es auch. Welche Herkunft vorliegt, verrät nur die Herstellerangabe. |
| Breitspektrum enthält garantiert null THC | „ND“ heißt nur: unter der Nachweisgrenze dieses Labors. |
| Je dunkler das Öl, desto mehr CBD | Farbe kommt von Extraktmenge, Chlorophyll und Trägeröl, nicht vom CBD selbst. |
| „Reich an Terpenen“ ist immer gemessen | Nur ein Terpenprofil im Laborbericht belegt das; viele Berichte prüfen nur Cannabinoide. |
| Hanföl ist das natürlichste Vollspektrum-Öl | Hanfsamenöl aus gepressten Samen ist kein angereichertes CBD-Öl; erst der Extrakt aus Blättern und Blüten macht ein CBD-Öl. |
Alle sechs klingen plausibel, und jede lässt sich mit Etikett und Laborbericht prüfen.
CBD-Öl richtig einordnen: Kosmetik, kein Lebensmittel
Ein Wort noch zur Einordnung, weil sie beim Lesen von Etiketten oft verwirrt. In der EU gelten Extrakte aus der Hanfpflanze mit Cannabinoiden als neuartige Lebensmittel (Novel Food), und bis heute ist kein CBD-Lebensmittel zugelassen. Unsere Öle sind deshalb als Kosmetik eingestuft, Anwendungshinweise stehen auf dem Etikett. Das gilt unabhängig vom Spektrum: Ein Isolat-Öl ist rechtlich nicht „sicherer“ als ein Vollspektrum-Öl, es enthält nur weniger Begleitstoffe. Die ganze Rechtslage, von Novel Food bis KCanG, ordnen wir im Ratgeber CBD-Öl und Recht ein. Stand: Oktober 2026.
Hinweis: Es handelt sich um CBD-Kosmetik. Das Produkt ist kein Arzneimittel und nicht zur Heilung, Linderung und Verhütung von Krankheiten bestimmt.
Häufige Fragen zu Vollspektrum, Breitspektrum und Isolat
Was ist besser: Vollspektrum oder Isolat?
Keins von beiden ist grundsätzlich besser. Vollspektrum enthält Begleitstoffe und THC-Spuren und riecht nach Hanf, Isolat ist reines CBD und nahezu neutral. Entscheidend sind deine Kriterien: Aroma, THC-Spuren, Transparenz des Laborberichts und Preis je mg.
Was ist der Unterschied zwischen Vollspektrum vs Isolat bei der Herstellung?
Vollspektrum wird nach der Extraktion nur winterisiert und erhitzt, damit bleiben die meisten Begleitstoffe drin. Für Isolat wird CBD zusätzlich gereinigt und auskristallisiert, bis nahezu reines CBD übrig bleibt, in einer Studie über 99 %. Dabei ging dort fast die Hälfte der Ausgangsmenge verloren.
Was bedeutet Breitspektrum genau?
Breitspektrum ist ein Vollspektrum-Extrakt, aus dem das THC entfernt wurde, meist per Chromatografie. Neben-Cannabinoide und Terpene bleiben teilweise erhalten. Der Begriff ist nicht geschützt, deshalb lohnt der Blick auf den THC-Wert und die Bestimmungsgrenze im Laborbericht.
Kann ich das Spektrum am Laborbericht erkennen?
Ja. Sind neben CBD weitere Cannabinoide und ein THC-Wert angegeben, ist es Vollspektrum. Fehlt nur das THC („ND“), spricht das für Breitspektrum. Hat nur CBD einen Wert, ist es ein Isolat.
Enthält jedes Vollspektrum-Öl THC?
In Spuren ja, das gehört zum Vollspektrum dazu. Das BfR hat 2024 in Ölen zwischen 5 und 1.576 mg THC je Kilogramm gemessen. Wie viel es bei deiner Flasche ist, steht im Laborbericht der Charge.
Warum ist mein Vollspektrum-Öl grünlich oder dunkel?
Die Farbe kommt von Chlorophyll, Flavonoiden und der Extraktmenge, dazu vom Trägeröl. Je höher die Prozentzahl, desto mehr Extrakt ist drin und desto dunkler wird das Öl. Über die Qualität sagt die Farbe nichts.
Ist Isolat synthetisch?
Meist nicht: Isolat wird in der Regel aus Hanfextrakt auskristallisiert. Es gibt aber auch synthetisch hergestelltes CBD. Ob das Etikett die Herkunft verrät, ist nicht einheitlich geregelt, im Zweifel fragst du beim Hersteller nach.
Ist Vollspektrum dasselbe wie Hanföl?
Nein. Hanföl aus dem Supermarkt ist meist Hanfsamenöl, in dem CBD nicht angereichert ist; die Verbraucherzentrale hält es für irreführend, so ein Öl als CBD-Öl zu verkaufen. Vollspektrum beschreibt einen Extrakt aus Blättern und Blüten, der in einem Trägeröl gelöst wird, oft übrigens in Hanfsamenöl. Mehr dazu im Beitrag Hanföl oder CBD-Öl?.
Warum führt ihr nur Vollspektrum-Öle?
Weil wir den Hanfextrakt mit seinen Begleitstoffen anbieten wollen, kombiniert mit Bio-Hanfsamenöl. Wer THC-Spuren ganz vermeiden möchte, sollte zu einem Isolat- oder Breitspektrum-Öl mit dokumentiertem THC-Wert greifen, das haben wir derzeit nicht im Sortiment.
Die Antworten ersetzen keine medizinische Beratung.