SCROG und SOG: die kurze Antwort
SCROG und SOG verfolgen dasselbe Ziel: eine gleichmäßige, flache Fläche aus Blütentrieben direkt unter der Lampe. Der Weg ist entgegengesetzt. Bei SCROG (Screen of Green, „grüner Schirm“) ziehst du wenige Pflanzen mit einem waagerechten Netz in die Breite, bis sie die Fläche füllen. Bei SOG (Sea of Green, „grünes Meer“) stellst du viele kleine Pflanzen dicht an dicht und schickst sie früh in die Blüte, jede bildet vor allem eine Hauptblüte.
Für den Eigenanbau in Deutschland ist die Wahl schnell getroffen. Das Konsumcannabisgesetz erlaubt höchstens drei Pflanzen gleichzeitig (§ 9 Abs. 1 KCanG). Sea of Green braucht deutlich mehr. Damit bleibt SCROG die Methode für Eigenanbauer, und darum geht es in diesem Ratgeber vor allem.
Beide Methoden sind Praxiswissen aus der Grow-Szene. Hochschulstudien, die sie mit Ertragszahlen vergleichen, haben wir nicht gefunden. Wo wir Zahlen nennen, stammen sie aus Herstellerhandbüchern oder sind eigene Rechnung.
Was ist die SCROG-Methode?
Bei der SCROG-Methode spannst du ein Netz waagerecht über die Pflanzen, meist eine Handbreit über dem Topfrand. Jeder Trieb, der durch eine Masche wächst, wird wieder unter das Netz zur Seite geleitet, in eine leere Masche. So verteilst du die Pflanze nach und nach über die ganze Fläche. Erst wenn das Netz weitgehend gefüllt ist, stellst du photoperiodische Pflanzen auf 12 Stunden Licht um. In der Blüte wachsen die Triebspitzen dann senkrecht durch das Netz nach oben und bilden einen gleichmäßigen Teppich aus Blüten.
Das Netz erfüllt drei Aufgaben auf einmal. Es hält alle Spitzen auf einer Höhe, damit keine der Lampe zu nah kommt und keine im Schatten steht. Es stützt die schweren Blütentriebe in der späten Blüte. Und es macht aus einer einzigen Pflanze eine Fläche, die sonst mehrere Pflanzen füllen würden.
Was SCROG kostet, ist Zeit und Aufmerksamkeit. Die Wachstumsphase dauert länger, weil die Pflanze erst das Netz füllen muss. Und du musst in dieser Zeit alle ein bis zwei Tage Triebe einflechten.
Was ist Sea of Green?
Sea of Green ist das Gegenteil: keine Breite, sondern Masse. Du stellst viele kleine Pflanzen dicht nebeneinander, oft aus Stecklingen, damit alle gleich wachsen. Nach einer sehr kurzen Wachstumsphase gehen sie in die Blüte. Jede Pflanze bildet vor allem eine kräftige Hauptblüte, Seitentriebe werden unten oft entfernt. Zusammen bilden die vielen Spitzen das „grüne Meer“.
Der Vorteil: kurze Durchläufe, kaum Training, gleichmäßige Ernte. Der Nachteil liegt in der Pflanzenzahl, und genau der macht SOG im deutschen Eigenanbau praktisch unmöglich.
SCROG vs. SOG im Vergleich
| SCROG | Sea of Green | |
|---|---|---|
| Pflanzenzahl | wenige, oft 1–3 | viele kleine |
| Wachstumsphase | länger, bis das Netz gefüllt ist | sehr kurz |
| Aufwand | hoch: Netz, regelmäßiges Einflechten | gering beim Training, hoch bei Anzucht und Pflanzenzahl |
| Typische Herkunft der Pflanzen | Samen oder Steckling | meist Stecklinge, damit alle gleich sind |
| Sorte | photoperiodisch, gern mit Stretch | kompakt, kurze Blüte |
| Autoflower geeignet | eingeschränkt | grundsätzlich ja |
| Mit drei Pflanzen nach KCanG | ja | praktisch nein |
Einstufungen aus der Praxis, keine Messwerte.
Warum SOG mit drei Pflanzen nicht funktioniert
Das KCanG erlaubt Erwachsenen den privaten Eigenanbau von „insgesamt nicht mehr als drei Cannabispflanzen gleichzeitig“ (§ 9 Abs. 1). Laut Bundesgesundheitsministerium gilt die Zahl je volljähriger Person eines Haushalts. Wer mehr Pflanzen anbaut, begeht eine Straftat (§ 34 KCanG), und überzählige Pflanzen sind laut Ministerium unverzüglich und vollständig zu vernichten.
Sea of Green lebt davon, dass viele kleine Pflanzen gemeinsam die Fläche füllen. Drei kleine Pflanzen ohne Training füllen eine Box nicht, sie stehen verloren unter der Lampe. Wer SOG trotzdem versucht, landet schnell bei einer vierten Pflanze. Es gibt keinen legalen Trick, der daran etwas ändert.
SCROG dreht die Logik um: Statt die Fläche mit Pflanzen zu füllen, füllst du sie mit Trieben. Eine einzige photoperiodische Pflanze kann ein Netz ausfüllen, wenn sie genug Zeit in der Wachstumsphase bekommt. Damit passt die Methode genau zum Rahmen des Gesetzes. Alle Regeln zum Eigenanbau erklärt der Ratgeber Eigenanbau nach KCanG. Das hier ist keine Rechtsberatung.
Auch die Erntemenge gehört in die Planung: Am Wohnsitz darfst du höchstens 50 Gramm getrocknetes Cannabis besitzen (§ 3 Abs. 2 KCanG), weitergeben ist verboten (§ 9 Abs. 2).

SCROG-Anleitung Schritt für Schritt
So baust du ein SCROG-Netz in die Box ein und füllst es:
- Pflanze vorbereiten. Kappe die Spitze über dem vierten oder fünften Knoten oder bieg den Haupttrieb zur Seite. So hast du früh mehrere gleich starke Triebe. Wie das geht: Low Stress Training und Topping und Fimming.
- Netz spannen. Befestige das Netz straff an den Pfosten der Box, eine Handbreit über dem Topfrand. Es darf nicht durchhängen.
- Einflechten. Wächst eine Spitze etwa eine Handbreit durch eine Masche, biegst du sie wieder unter das Netz und schiebst sie in eine leere Masche weiter außen. Immer weg von der Mitte, Richtung Ränder.
- Gleichmäßig verteilen. Ziel ist, dass jede Masche über kurz oder lang einen Trieb bekommt. Schwache Triebe bekommen Plätze in der Mitte, starke wandern nach außen.
- Umstellen. Ist das Netz zu etwa zwei Dritteln bis drei Vierteln gefüllt, stellst du photoperiodische Pflanzen auf 12/12 um. Der Stretch in den ersten Blütewochen füllt den Rest. Der Wert ist eine Praxisregel.
- Stretch begleiten. In den ersten zwei bis drei Blütewochen flichtst du weiter ein. Danach lässt du alle Spitzen senkrecht durch das Netz wachsen.
- Unter dem Netz ausputzen. Kleine Triebe und Blätter unter dem Netz bekommen kaum Licht. Blüten im Schatten enthielten in einer Studie weniger Cannabinoide (Danziger und Bernstein, Plants 2021). Entfernst du sie kurz vor oder zu Beginn der Blüte, geht die Kraft in die Triebe oben. Mehr dazu: Entlauben und Lollipopping.
💡 Markier die Mitte der Box mit einem Stück Band am Netz. Beim Einflechten verlierst du sonst leicht die Orientierung.
Auf welche Höhe kommt das SCROG-Netz?
Als Praxiswert hängt das Netz eine Handbreit, also etwa 20 bis 25 cm, über dem Topfrand. Wichtiger als die genaue Zahl ist, was darüber bleibt: Die Spitzen wachsen in der Blüte durch das Netz nach oben, und zwischen ihnen und der Lampe muss der Abstand bleiben, den der Lampenhersteller für die Blüte nennt.
Für die drei Growbox-Sets aus unserem Sortiment haben wir das durchgerechnet:
| Set (Höhe laut Hersteller) | Lampenabstand Blüte laut Hersteller | Platz für die Pflanze ab Topfrand | Netz über Topfrand | Platz über dem Netz |
|---|---|---|---|---|
| S (160 cm) | 30 cm | ca. 80 cm | 20–25 cm | ca. 55–60 cm |
| M (180 cm) | 36 cm | ca. 94 cm | 20–25 cm | ca. 69–74 cm |
| L (200 cm) | 30 cm | ca. 120 cm | 20–25 cm | ca. 95–100 cm |
Lampenabstände laut Vivosun-Handbuch „AeroLight SE“ für die Lampen der Sets. „Platz für die Pflanze“ = Boxhöhe minus Topf (rund 30 cm bei 11 Litern), minus Lampe mit Aufhängung (rund 20 cm, Praxiswert), minus Lampenabstand, eigene Rechnung wie im Ratgeber Photoperiodische Sorten indoor. Netzhöhe Praxiswert.
Daraus folgt: In einer niedrigen Box brauchst du eine Sorte, die sich in der Blüte wenig streckt, oder du stellst früher um. Wie stark eine Sorte streckt, steht meist in der Sortenbeschreibung des Züchters.
SCROG mit Autoflower?
Möglich, aber nur eingeschränkt sinnvoll. Autoflower blühen nach Alter, ihre Laufzeit ist fest. Du kannst die Wachstumsphase nicht verlängern, bis das Netz voll ist. Bei einer kompakten Auto ist ein großes Netz nach wenigen Wochen nicht gefüllt, wenn die Blüte schon beginnt.
Was in der Praxis funktioniert: ein kleines Netz, früh eingezogen, und die Triebe nur sanft einflechten, ohne Schnitt. Oder gleich nur Herunterbinden, das bringt bei Autos einen ähnlichen Effekt mit weniger Aufwand. Sorten mit kompaktem Wuchs findest du bei den Autoflower-Samen.
Welche Sorten passen zu SCROG?
SCROG belohnt Pflanzen, die Zeit haben und sich in der Blüte strecken. Photoperiodische Sorten sind deshalb die erste Wahl, weil du die Wachstumsphase selbst bestimmst. Sativa-dominante Sorten mit starkem Stretch füllen das Netz in der Blüte gut nach. Kompakte Indica-dominante Sorten brauchen mehr Zeit in der Wachstumsphase, bleiben dafür niedrig und passen in kleinere Boxen.
Weil bei SCROG oft nur eine oder zwei Pflanzen die ganze Box füllen, ist ein Männchen ein großes Risiko. Es würde die Hälfte deiner Fläche kosten. Deshalb arbeiten SCROG-Grower fast immer mit feminisierten Samen. Die Sortenbeschreibungen dort nennen Blütezeit und Wuchshöhe laut Züchter. Wer eine Box neu aufbaut, findet Komplettsets mit Lampe und Abluft bei den Growboxen. Alle Trainingsmethoden im Vergleich zeigt der Ratgeber Cannabispflanze beschneiden und trainieren, für einen strengen symmetrischen Aufbau gibt es das Mainlining.
Der Umgang mit Cannabissamen ist in Deutschland nach § 4 KCanG erlaubt, sofern die Samen nicht zum unerlaubten Anbau bestimmt sind. Der Anbau ist nur Erwachsenen im Rahmen des Konsumcannabisgesetzes (KCanG) erlaubt: bis zu drei Pflanzen im privaten Eigenanbau, geschützt vor Kindern und Jugendlichen. Beachte die Regeln in deinem Land.
Häufige Fragen zu SCROG und Sea of Green
Was bringt ein SCROG-Netz?
Es hält alle Triebspitzen auf einer Höhe, stützt die Blütentriebe und lässt eine einzelne Pflanze die ganze Fläche unter der Lampe füllen.
Wann sollte man ein SCROG-Netz einsetzen?
In der Wachstumsphase, sobald die ersten Triebe eine Handbreit über den Topfrand ragen. Spann es am besten schon beim Aufbau der Box locker an die Pfosten und setz es dann auf die richtige Höhe.
Wann stelle ich beim SCROG auf Blüte um?
Als Praxisregel, wenn das Netz zu etwa zwei Dritteln bis drei Vierteln gefüllt ist. Der Stretch in den ersten Blütewochen füllt den Rest.
Was ist die Sea-of-Green-Methode?
Viele kleine Pflanzen, die nach kurzer Wachstumsphase in die Blüte gehen und gemeinsam eine Fläche füllen. Im deutschen Eigenanbau mit höchstens drei Pflanzen ist sie praktisch nicht umsetzbar.
Welche Strafe droht bei sechs Cannabispflanzen?
Mehr als drei Pflanzen gleichzeitig anzubauen ist nach § 34 KCanG eine Straftat, mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren. Details im Ratgeber zum Eigenanbau nach KCanG.
Wie bekomme ich dichte Buds?
Mit gleichmäßigem Licht auf allen Spitzen. Das Netz sorgt dafür, dass keine Spitze im Schatten steht. Unter dem Netz ausputzen lenkt die Kraft nach oben.
Die Antworten ersetzen keine medizinische Beratung.
Quellen und Stand
Stand: Oktober 2026. SCROG und Sea of Green sind Methoden aus der Grow-Praxis, Studien mit Ertragszahlen haben wir nicht gefunden. Netzhöhe und Umstellzeitpunkt sind Praxiswerte, die Höhentabelle ist eigene Rechnung. Rechtsangaben sind keine Rechtsberatung.
- VIVOSUN: AeroLight SE User Manual (VSA100SE, VSA150SE, VSAW200SE), Abschnitt Application (Lampenabstände)
- Danziger, N.; Bernstein, N. (2021): Shape Matters: Plant Architecture Affects Chemical Uniformity in Large-Size Medical Cannabis Plants. Plants 10(9):1834, doi:10.3390/plants10091834
- Konsumcannabisgesetz (KCanG), §§ 3, 9, 34, gesetze-im-internet.de; Bundesministerium für Gesundheit: FAQ zum Cannabisgesetz