Mehltau an der Cannabispflanze: die kurze Antwort
Wenn Mehltau Cannabispflanzen befällt, ist es fast immer Echter Mehltau: ein weißer, mehliger Belag, der mit kleinen runden Flecken auf der Blattoberseite beginnt und sich abwischen lässt. Auslöser ist ein Pilz, der lebendes Gewebe braucht und dessen Sporen mit der Luft fliegen. Er mag mäßige Wärme und hohe Luftfeuchte, nasse Blätter braucht er nicht. Deshalb trifft er gerade Indoor-Grows, in denen nie Regen fällt.
Bei Befall entfernst du betroffene Blätter vorsichtig, senkst die Luftfeuchte und sorgst für Luftbewegung. Sprühmittel sind heikel: In Deutschland dürfen Pflanzenschutzmittel nur im zugelassenen Anwendungsgebiet eingesetzt werden, und Cannabis taucht in den Zulassungen praktisch nicht auf. Dazu unten der Rechtskasten. Schimmel in den Blüten ist ein anderer Pilz, den erklärt der Ratgeber Bud Rot. Den Überblick über alle Symptome gibt der Ratgeber Cannabis-Pflanzenprobleme.
Welcher Pilz steckt dahinter?
Der wichtigste Erreger, mit dem Mehltau Cannabispflanzen befällt, heißt Golovinomyces ambrosiae. Pépin, Hebert und Joly (Frontiers in Plant Science 2021) nennen ihn den Mehltau, der in Innenräumen und Gewächshäusern in Kanada und den USA an Cannabis gemeldet wird. In älteren Meldungen läuft er noch unter Golovinomyces cichoracearum, die Namen haben sich mit der Bestimmung geändert. In Oregon wiesen Forschende den Pilz 2018 und 2019 an Hanf im Gewächshaus nach, auf Blättern und Blüten (Wiseman et al., Plant Disease 2021). Seltener kommt laut Zamir Punja (Simon Fraser University, Pest Management Science 2021) der Hopfenmehltau Podosphaera macularis vor.
Was den Pilz begünstigt:
- Luftfeuchte und mäßige Wärme. Laut University of Tennessee Extension braucht er keine nassen Blätter, mäßige Temperaturen um 21 bis 27 °C und hohe Luftfeuchte fördern ihn.
- Schnelle Generationen. Die Utah State University Extension beschreibt einen neuen Zyklus alle 7 bis 10 Tage, solange die Bedingungen passen. Befallen werden Blätter, Stängel und Blütenknospen.
- Weite Wege. Die Sporen gelangen laut Punja in die Luft und werden über weite Strecken verbreitet.
- Eingeschleppte Pflanzen. Der Pilz braucht lebendes Gewebe. Befallene Stecklinge bringen ihn laut Punja direkt in die Box. Wer in der eigenen Growbox mit Samen statt fremder Stecklinge startet, verschließt diesen Weg.
So erkennst du Mehltau, Stadium für Stadium
So zeigt sich, wie Mehltau Cannabispflanzen nach und nach überzieht:
- Kleine, runde, weiße Flecken auf der Blattoberseite, oft zuerst an unteren oder mittleren Blättern. Die University of Tennessee beschreibt so den Beginn.
- Flecken wachsen zusammen, das Blatt sieht aus wie mit Mehl bestäubt.
- Belag auch auf Stängeln und Blattunterseiten. Die Utah State University rät, mit den untersten Blättern zu beginnen und immer beide Seiten zu prüfen.
- Blätter vergilben und vertrocknen unter dem Belag, die Pflanze verliert Fläche für die Photosynthese.
- Belag an Blüten und Zuckerblättern. Spätestens jetzt ist es ernst, denn diese Blüten sind für die Ernte verloren.
💡 Der Wischtest hilft: Mehltau lässt sich mit dem Finger abwischen, darunter ist das Blatt anfangs grün. Staub oder Kalk von Sprühwasser sitzt dagegen gleichmäßig auf allen Blättern.
Echter Mehltau, Falscher Mehltau, Bud Rot oder Trichome?
| Merkmal | Echter Mehltau | Falscher Mehltau | Bud Rot (Grauschimmel) | Trichome |
|---|---|---|---|---|
| Wo | Blattoberseite, später überall | vor allem Blattunterseite | im Inneren dichter Blüten | auf Blüten und Zuckerblättern |
| Aussehen | weiß, mehlig, flach | grauer bis violetter Flaum unten, gelbliche Flecken oben | grau bis graubraun, Gewebe braun und weich | glänzende Köpfchen auf Stielen |
| Wischtest | lässt sich abwischen | Flaum sitzt fester | Sporen stauben | klebt |
| Wetter | mäßig warm, feucht, keine nassen Blätter nötig | feucht, kühl, nasse Blätter (Praxiswert) | kühl, sehr feucht, nasse Blüten | – |
Falscher Mehltau ist trotz des Namens kein naher Verwandter: Er gehört zu den Eipilzen. An Cannabis ist der Erreger Pseudoperonospora cannabina beschrieben, zuletzt etwa in New York (Giles et al., Plant Disease 2023). Wie häufig er in deutschen Grows ist, ist nicht untersucht. Für „schimmel cannabispflanze“ an Blüten ist fast immer Bud Rot gemeint, Details dort. Unter der Lupe erkennst du Trichome an ihren runden Köpfchen, siehe Ratgeber Trichome.
Was tun bei Befall?
Erst handeln, dann suchen, warum es passiert ist. Diese Schritte beruhen auf den Empfehlungen der Utah State University und auf Praxiserfahrung:
- Befallene Blätter entfernen. Vorsichtig abschneiden und direkt in eine Tüte stecken, damit keine Sporen fliegen. Tüte zuknoten und in den Restmüll.
- Nicht schütteln, nicht anpusten. Jede Bewegung verteilt Sporen in der Box.
- Luftfeuchte senken. Abluft hochdrehen, nachts nicht ausschalten, nur drosseln. Zielwerte stehen in der VPD-Tabelle.
- Luft bewegen. Ein Umluftventilator, der die Blätter leicht bewegt, aber nicht direkt anbläst.
- Auslichten. Dichte, verschattete Innentriebe entfernen, damit Luft durchzieht, siehe Entlauben und Lollipopping.
- Werkzeug und Hände reinigen, bevor du an gesunde Pflanzen gehst.
- Täglich nachsehen. Nach einer Woche zeigt sich, ob neue Flecken kommen.
Und die Blüten? Ist schon Belag an den Blüten, gehören sie nicht in die Ernte. Belastbare Daten zu gesundheitlichen Folgen von Mehltau an Blüten haben wir nicht gefunden. Befallenes Material ist aber minderwertig, und wir raten davon ab, es zu verwenden.
Mehltau an der Cannabispflanze in der Blüte
Erreicht Mehltau Cannabispflanzen in der Blüte, wird es schwierig. Dichte Blüten, viel Blattmasse und eine volle Box lassen die Feuchte steigen, und die Blütenknospen selbst können befallen werden, wie die Utah State University beschreibt. Gleichzeitig ist jetzt jedes Sprühen auf die Blüten tabu: Was du sprühst, bleibt auf dem Material, das du später erntest. In der Blüte bleiben dir deshalb nur Entfernen, Klima und Luftbewegung. Sind viele Blüten befallen und die Trichome schon weitgehend milchig, kann früheres Ernten der gesunden Blüten das kleinere Übel sein. Wie du die Reife abliest, steht im Ratgeber Cannabis erntereif?.
Was die Forschung gegen Mehltau getestet hat
Dass Mehltau Cannabispflanzen so häufig trifft, hat die Forschung früh beschäftigt. Die gründlichste Vergleichsstudie stammt von Cameron Scott und Zamir Punja (Simon Fraser University, Canadian Journal of Plant Pathology 2021). Sie behandelten Pflanzen der Sorte ‘Copenhagen Kush’ vier Wochen lang wöchentlich mit verschiedenen in Kanada erhältlichen Mitteln.
- Am wirksamsten waren unter anderem ein Mittel mit dem Wirkstoff Fluopyram, ein Staudenknöterich-Extrakt, Kaliumhydrogencarbonat, Präparate mit Bacillus-Bakterien und Neemöl.
- Weniger wirksam waren Wasserstoffperoxid, Borsäure und ein Präparat mit Streptomyces-Bakterien.
- UV-C-Licht täglich für wenige Sekunden senkte den Befall über 28 Tage um 45,2 %.
- Sorten unterschieden sich deutlich: Mehrere der zwölf getesteten Sorten waren klar weniger anfällig.
Wichtig: Diese Ergebnisse stammen aus Kanada und sind keine Erlaubnis, die Mittel in Deutschland an Cannabis einzusetzen. Milch wurde in dieser Studie nicht getestet.
Rechtskasten: Was darf ich gegen Mehltau sprühen?
Pflanzenschutzmittel nur mit Zulassung und nur im Anwendungsgebiet. Nach § 12 Abs. 1 Pflanzenschutzgesetz dürfen Pflanzenschutzmittel nur angewendet werden, wenn sie zugelassen sind, und nur in den festgesetzten Anwendungsgebieten. Privatleute dürfen laut BVL nur Mittel nutzen, die für nichtberufliche Anwender zugelassen sind. Eine Zulassung für Cannabis als Kultur haben wir nicht gefunden.
Grundstoffe sind die Ausnahme, aber eng. Stoffe, die nur aus genehmigten Grundstoffen bestehen, brauchen nach § 12 Abs. 4 PflSchG keine Zulassung. Auf der Liste des BVL stehen etwa Kuhmilch, Molke und Natriumhydrogencarbonat (Natron). Die Genehmigung gilt aber nur für die Kulturen und Anwendungen, die im Beurteilungsbericht stehen. Molke ist laut Pflanzenschutzdienst Schleswig-Holstein nur für Gurke, Zucchini, Kürbis im Gewächshaus und Weinreben genehmigt, Natron für bestimmte Gemüse-, Beeren- und Zierpflanzen; an Wein- und Tafeltrauben darf es in Deutschland nicht mehr als Grundstoff eingesetzt werden, seit dort ein Pflanzenschutzmittel mit diesem Wirkstoff zugelassen ist (Landtag Baden-Württemberg, Drs. 17/9428). Hanf oder Cannabis wird in keiner dieser Genehmigungen genannt.
Und Hausmittel? Das BVL warnt: „Vermeintlich harmlose ‚Hausmittel‘ sind nicht als Pflanzenschutzmittel geprüft und zugelassen.“ Wer Backpulver oder Milch an Cannabis sprüht, bewegt sich deshalb in einer rechtlichen Grauzone. Unser Rat: vorbeugen, entfernen, Klima regeln. Dieser Kasten ist eine sachliche Einordnung, keine Rechtsberatung.

Vorbeugen: so hat Mehltau keine Chance
| Maßnahme | Indoor (Growbox) | Outdoor (Garten, Balkon) |
|---|---|---|
| Luftfeuchte | nicht dauerhaft hoch, nachts Abluft nur drosseln | nicht steuerbar, luftiger Standort |
| Luftbewegung | Umluftventilator, Blätter bewegen sich leicht | keine windstille Ecke, Abstand zur Hauswand |
| Abstand | Pflanzen und Blätter berühren sich nicht | Abstand zwischen den Pflanzen |
| Auslichten | schattige Innentriebe vor der Blüte entfernen | ebenso |
| neue Pflanzen | erst getrennt halten und prüfen | keine fremden Pflanzen direkt daneben |
| Kontrolle | einmal pro Woche Blattober- und -unterseiten | wöchentlich, im Spätsommer öfter |
Damit Mehltau Cannabispflanzen gar nicht erst erreicht, hast du drinnen gute Karten, weil du Feuchte und Luft selbst steuerst. Eine Box mit passender Abluft und Umluftventilator, wie in unseren Growboxen, nimmt dem Pilz die stehende, feuchte Luft. Wer mit Samen statt Stecklingen startet, schleppt den Pilz zudem nicht mit gekauften Pflanzen ein.
Draußen zählen Standort und Sorte. Angaben wie „mehltauresistent“ stammen vom Züchter und sind kein geprüftes Siegel. Die Studie von Scott und Punja zeigt aber, dass Sorten sich tatsächlich unterscheiden. Sorten mit Züchterangaben für unser Klima findest du bei den Outdoor-Samen.
Rechtlicher Rahmen beim Eigenanbau
Der Anbau ist nur Erwachsenen im Rahmen des Konsumcannabisgesetzes (KCanG) erlaubt: höchstens drei Pflanzen je volljähriger Person.
Der Umgang mit Cannabissamen ist in Deutschland nach § 4 KCanG erlaubt, sofern die Samen nicht zum unerlaubten Anbau bestimmt sind. Der Anbau ist nur Erwachsenen im Rahmen des Konsumcannabisgesetzes (KCanG) erlaubt: bis zu drei Pflanzen im privaten Eigenanbau, geschützt vor Kindern und Jugendlichen. Beachte die Regeln in deinem Land.
Weitere Probleme beschreiben die Ratgeber Spinnmilben, Cannabis-Schädlinge, Überdüngung und Nährstoffmangel.
Häufige Fragen zu Mehltau an Cannabis
Wie entsteht Mehltau auf Cannabispflanzen?
Sporen fliegen mit der Luft oder kommen mit befallenen Pflanzen in die Box. Bei mäßiger Wärme und hoher Luftfeuchte keimen sie auf den Blättern, nasse Blätter sind dafür nicht nötig.
Soll man Blätter mit Mehltau entfernen?
Ja, vorsichtig und direkt in eine Tüte, damit keine Sporen fliegen. Danach Luftfeuchte senken und Luft bewegen.
Hilft Backpulver gegen Mehltau?
Backpulver enthält meist Natron (Natriumhydrogencarbonat). Getestet wurde in einer kanadischen Studie das verwandte Kaliumhydrogencarbonat, es wirkte gegen Mehltau an Cannabis. In Deutschland ist das Sprühen an Cannabis aber rechtlich nicht abgedeckt, siehe Rechtskasten.
Ist Mehltau auf Pflanzen giftig?
Belastbare Daten zu gesundheitlichen Folgen bei Cannabis haben wir nicht gefunden. Befallene Blüten sind minderwertig und gehören nicht in die Ernte.
Kann ich mit Mehltau noch ernten?
Gesunde Blüten ja, befallene nicht. Bei starkem Befall kurz vor der Reife kann es klüger sein, die gesunden Blüten früher zu ernten.
Die Antworten ersetzen keine medizinische Beratung.
Quellen und Stand
Stand: Oktober 2026. Praxiswerte sind als solche gekennzeichnet. Rechtsangaben sind eine sachliche Einordnung und keine Rechtsberatung.
- Punja Z. K.: Emerging diseases of Cannabis sativa and sustainable management. Pest Management Science 2021;77(9):3857–3870, doi:10.1002/ps.6307
- Scott C., Punja Z. K.: Evaluation of disease management approaches for powdery mildew on Cannabis sativa L. (marijuana) plants. Canadian Journal of Plant Pathology 2021;43(3):394–412, doi:10.1080/07060661.2020.1836026
- Pépin N., Hebert F. O., Joly D. L.: Genome-Wide Characterization of the MLO Gene Family in Cannabis sativa Reveals Two Genes as Strong Candidates for Powdery Mildew Susceptibility. Front Plant Sci 2021;12:729261
- Wiseman M. S., Bates T., Garfinkel A., Ocamb C. M., Gent D. H.: First Report of Powdery Mildew Caused by Golovinomyces ambrosiae on Cannabis sativa in Oregon. Plant Disease 2021
- Giles et al.: First report of downy mildew caused by Pseudoperonospora cannabina on Cannabis sativa in New York. Plant Disease 2023;107:1638
- Utah State University Extension: Hemp Powdery Mildew, extension.usu.edu
- University of Tennessee Extension: Hemp Powdery Mildew (W1132)
- Pflanzenschutzgesetz (PflSchG) § 12, gesetze-im-internet.de; BVL: Anwendung von Grundstoffen; BVL-Pressemitteilung vom 10.06.2021 zu Hausmitteln
- Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Pflanzenschutzdienst: Merkblätter Grundstoff Molke und Grundstoff Natriumhydrogencarbonat
- Landtag Baden-Württemberg, Drucksache 17/9428 (Antwort des Ministeriums vom 01.10.2025): Natriumhydrogencarbonat als Grundstoff bei Wein- und Tafeltrauben
- Konsumcannabisgesetz (KCanG) §§ 4, 9, 10, gesetze-im-internet.de